Glaubensvorstellungen

In dieser Welt wird das Schicksal von dem Urrkvæði, dem Urlied, bestimmt, das von Ekki gesungen (vielmehr rhytmisch rezitiert, da ein Kvæði eher eine Dichtung als ein Lied ist) wird, solange die Welt existiert. Das Urlied legt fest, wie sich alle Dinge untereinander verhalten, es ist also das allgemeine Naturgesetz des Universums, das die Wali Allheim nennen. Auch hier gibt es einen Anfang und man weiß, dass es ein Ende gibt. Aber wie genau dieses Ende eigentlich herbeigeführt wird, ist nicht bekannt. Es gibt nur einige wenige Dinge, die bekannt sind. So gibt es neben Ekki, dasjenige, das ihm entgegenwirkt und dafür sorgen muss, dass Ekki aufhört, das Urlied zu singen. In den Sagas der Wali wird dieses als der Alte Fuchs bezeichnet, der Gamallrefur, und dieser scheint ein bewusstes Wesen zu sein. Es ist bekannt, dass er Erfolg haben wird und damit das Universum wieder endet, nur die unsterblichen Seelen und Götter der Wali zurück lassend. Und es ist bekannt, dass Ekki daraufhin erneut nach dem Urfeuer sucht, um eine neue Schöpfung zu beginnen, dass es also einen Kreislauf von Schöpfungen gibt. Der Gamallrefur sorgt dafür, dass es immer wieder Hoffnung gibt, indem er Ekki veranlasst immer wieder von neuem zu beginnen.

In jedem Zyklus der Schöpfung kann die Art und Abfolge der Ereignisse eine andere sein, mal gewinnt die eine Seite, mal die Andere. Aber das Endergebnis ist immer dasselbe, aus den Seelen würdiger Menschen werden Aefingthjonn, unsterbliche Seelen und aus denen können erst Niedere und später Hohe Götter der Wali werden. Also dient die Schöpfung der Vermehrung der Götter und bietet gleichzeitig jedem Menschen die Möglichkeit, ein Gott zu werden. Das Ende der Entwicklung der Götter ist der Abgang der Götter in eine höhere Ebene, die mit Ekki identisch ist. Entweder gelangt man dahin, indem man unmittelbar die Natur von Ekki erkennt, wie dies Lifur getan hat, oder ein Gott sammelt so viel Weisheit und Erfahrung, dass er selber zu Ekki wird. Aber da es von Ekki nur einen geben kann, gehen sie ineinander auf, in ein Etwas, aus dem nichts kommt als das Urlied, die Naturgesetze eines Universums. Warum dies alles so ist, weiß Ekki allein und der redet nicht.

Was bedeutet dies nun für den einzelnen Wali? Sein Ziel ist es, durch sein Verhalten zu denen zu gehören, die in Walis Halle gelangen, denn damit ist ihm die Unsterblichkeit gewiss und damit auch das Überdauern des Weltunterganges. Es wird gesagt, dass die Seelen würdiger Menschen in Walis Hallen kommen und dass die unwürdiger verbrannt werden, d.h. sie erlöschen. Als würdig erweist man sich nun, indem man mutig und kühn und frei von Verrat ist, sich unverzagt in allen Lagen und Gefahren verhält und unbeirrt seinen Weg geht, Opferbereitschaft im Krieg wie im Frieden zeigt oder Pflichten und Verantwortung willig trägt. Wie viel von allem notwendig ist, um von den Göttern als würdig betrachtet zu werden ist nicht benannt. Unter den Wali ist es jedoch Auffassung, möglichst nicht krank und jammervoll zu sterben, sondern sein Würde zu erhalten.

Die Entscheidung, wer als würdig angesehen wird, fällt Hyldir, ebenso, wie sie den Menschen ihre Lebensspanne zuweist. Hyldir ist die zeitweilige Verschmelzung der drei Gattinnen von Wali, Alswidr und Höggr, die in dieser Form das Urlied zumindest teilweise verstehen können und danach die Lebenspannen von Menschen bemessen. Auf das Schicksal selber haben sie keinen Einfluss, aber sie wissen mehr darüber als sonst jemand. Unausgesprochen vorausgesetzt wird, dass Hyldir gerecht urteilt. In Sagen deutlich gemacht wird jedenfalls, dass sie sich nicht beeinflussen lässt.

Es wird aber auch gesagt, der Mensch habe einen freien, von Göttern unbeeinflussten Willen, denn nur so hat er die Möglichkeit, sich würdig zu erweisen. Dieser freie Wille kann zwar auch die Art des Unterganges des Universums beeinflussen, im Wesentlichen soll er jedoch nur dem Menschen ermöglichen, sich aus eigenem Entschluss würdig oder unwürdig zu erweisen. D.h. ein Stück Seele wird mit freiem Willen befruchtet und entwickelt sich entweder zu einer würdigen oder einer unwürdigen Seele. Letztere wird „gelöscht“.

Der feste Glaube an die eigene Chance auf Unsterblichkeit bringt den Wali dazu, Dinge zu tun und zu ertragen, die Menschen in anderen Ländern nicht für möglich halten.

 

Siehe auch:

  • Saga von der Schöpfung

© 2019 Walische Webseite